Edelsteinkunde
Edelsteinkunde (Gemmologie) ist ein Teilgebiet der Mineralogie.
Minerale sind natürliche, leblose (anorganische) Bestandteile
der festen Erdkruste. Diejenigen Minerale, die selten, schön
und widerstandsfähig sind, nennt man Edelsteine. Einige
Minerale sind weder sehr selten noch widerstandsfähig, doch
trotzdem schön. Sie werden als Schmucksteine bezeichnet.
Einige wenige natürliche Substanzen aus dem Tier- und dem
Pflanzenreich, also organische Substanzen, werden trotzdem zu
den Edelsteinen gezählt, wie Perlen, Bernstein, Korallen
etc. Im Unterschied zu den natürlichen Substanzen kennt
man künstliche Produkte und Synthesen, die ganz oder teilweise
durch den Menschen entstanden sind. Imitationen, rekonstruierte
und zusammengesetzte Steine werden ebenfalls zur Nachahmung von
Edelsteinen verwendet.
Entstehung der Edelsteine
Die Erde ist ungefähr 4500 Millionen Jahre alt. Die Erdentstehung
wird in drei Zyklen unterteilt: Magmatischer Zyklus (z.B. Diamant,
Zirkon, Turmalin, Quarz), sedimentärer Zyklus (z.B. Malachit,
Türkis, Opal) und metamorpher Zyklus (z.B. Korund, Spinell,
Granat). Schon in 150-200 km Tiefe herrschen Temperaturen zwischen
1000 und 1500 °C und Drücke, die 50000 bis 80000 mal
höher sind als auf der Erdoberfläche. Unter diesen
Extrembedingungen bildete sich im Erdmantel vor 3 Milliarden
bis 600 Millionen Jahren der Diamant.
Edelsteinvorkommen
Findet man die Edelsteine am Ort ihrer Entstehung, so spricht
man von primären Lagerstätten. Viele primäre Lagerstätten
wurden durch die Verwitterung abgetragen. So entstanden sekundäre
Lagerstätten.
Kristalle
Die Edelsteine bestehen aus Grundstoffen, den Elementen, und
ihren Verbindungen. Die kleinsten Teile der Elemente sind Atome
und Ionen, die sich zu Molekülen verbinden. Sie reihen sich
von Natur aus möglichst eng und gleichmäßig wie
ein Gitter neben- und aufeinander, so dass ein gesetzmäßig
aufgebauter dreidimensionaler Körper entsteht, ein Kristall.
Ausschließlich der Diamant besteht aus einem einzigen Element,
dem Kohlenstoff. Alle Farbsteine sind aus zwei oder mehr Elementen
aufgebaut.
Härte
Die Härte ist entscheidend für die Möglichkeit,
dass der Edelstein zum Beispiel in einem Ring getragen werden
kann. Der Physiker F. Mohs stellte durch Ritzen der Steine eine
Härteskala von 1 bis 10 auf. 10 Diamant, 9 Korund, 8 Topas,
7 Quarz, 6 Feldspat, 5 Apatit, 4 Fluorit, 3 Kalzit, 2 Gips, 1
Talk.
Edelsteingewicht
Da die Edelsteine meistens sehr kleine Schönheiten sind,
wägt man sie seit Jahrhunderten in einer eigens für
sie geschaffenen, feineren Gewichtseinheit als dem Gramm. Das
metrische Gramm wird aufgeteilt in 5 Carat (ct), das heißt:
1 Carat = 0,2 g. Um eine Verwechslung mit der Feingehaltsangabe
bei Edelmetallen (Karat oder K) zu vermeiden, schreibt man die
Abkürzung immer mit kleinem c.
Farben
Als weiß oder besser als farblos bezeichnen wir diejenigen
Edelsteine, die von allen Lichtwellenlängen, das heißt
dem ganzen Regenbogenspektrum, durchdrungen werden können.
Farbige Steine filtern selektiv gewisse Wellenlängen weg,
so dass ein Restlicht, eine Farbe, austritt.
Durchsichtigkeit
Luft, als dünnes Medium, setzt dem Licht wenig Widerstand
entgegen, im Unterschied zu einem optisch dichten Medium: Ein
schwarzer Onyx beispielsweise lässt kein Licht eintreten,
er ist undurchsichtig; ein Carneol lässt einen Teil des
Lichtes hindurch, er ist durchscheinend; ein Bergkristall ist
durchsichtig und farblos, weil ihn alle Lichtwellen ungeschwächt
durchdringen können.
Steinformen und Schliffarten
Ein geschliffener Farbstein hat ein Oberteil mit der Tafel
und ein Unterteil, den Steinkörper. Dazwischen liegt die
Rondiste. Nach ihr wird die Steinform bezeichnet, also rund,
oval, antikoval, achteckig, Tropfen, Navette usw. Je nach Anordnung
der Facetten entstehen verschiedene Schliffarten: Brillantschliff,
Treppenschliff, Ceylonschliff, Scherenschliff, Tafelschliff,
Rose etc. Mugelig geschliffene Steine heißen Cabochons.
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